Ohne Dorsch kein Fish and Chips

Ohne Dorsch kein Fish and Chips

Fish and Chips sind ein fixer Bestandteil der britischen Esskultur. Der Fisch, der dabei am meisten zum Einsatz kommt, ist der Dorsch. Was ursprünglich als billige Mahlzeit begann, hat heute längst die feinen Restaurants erobert. Fish and Chips ist in Großbritannien allgegenwärtig. Mehr als 10.000 Shops verkaufen die fettige Köstlichkeit. Seit 160 Jahren kommen Dorsch und Kartoffeln auf den Tisch, wenn es schnell gehen muss. Man kann ihn aus einer gerollten Zeitung oder mit Silberbesteck genießen, dem Engländer ist das im Grunde genommen egal, Hauptsache es schmeckt.

Fisch, Kartoffeln und Champagner

Gewürzt wird der Küchenklassiker mit Sauce Tatare oder Malz-Essig. Dazu getrunken wird entweder Bier oder sogar Champagner. Als vor 160 Jahren der erste Laden eröffnet wurde, hätte wohl niemand gedacht, dass das einfache Gericht einmal seinen fixen Platz in der britischen Kultur erobern würde. Das inoffizielle Nationalgericht der Briten überstand bisher erfolgreich alle kulinarischen Trends. Jährlich vertilgen die Engländer rund 350 Millionen Portionen von Fish and Chips. Selbst die Top-Restaurants möchten auf diese Umsätze nicht mehr verzichten. Sein Erfolgsgeheimnis liegt in der knusprigen Panade und dem weichen Fisch im Inneren. Dazu passen die ebenfalls knusprig frittierten Fritten.

Ein billiges Essen erobert die Welt

Die Geschichte des beliebten Gerichtes begann im Londoner East End. Dort hat die jüdische Gemeinde erstmals den frisch gefangenen Fisch in heißem Fett zubereitet. Aus dem Norden England kamen die günstigen Kartoffeln dazu und schon war das Gericht geboren. Sowohl der Fisch, als auch die Kartoffeln waren damals billig zu haben und entsprechend beliebt in der Arbeiterklasse. 1860 soll der erste Laden eröffnet worden sein, doch einige Regionen streiten bis heute darüber, wer denn nun wirklich der Erste gewesen war. Von diesen Imbissen aus eroberte Fish and Chips in weiterer Folge das ganze Land. Maßgeblich dazu beigetragen haben der Bau der Eisenbahn und die Industrialisierung des Fischfangs. Im Jahr 2008 war das Gericht laut der damaligen Umfrage beliebter als die englische Queen und das will im Königshaus-verrückten England was heißen. Selbst die Queen gilt als Fan der Speise. Längst ist Fish and Chips auch in vielen anderen Ländern zum Hit geworden. Überall auf der Welt genießen die Menschen jenen Schnellimbiss, der ohne Dorsch nicht denkbar wäre. Der Fisch hat die Essensgewohnheiten eines ganzen Königreichs nachhaltig verändert.

Ein billiges Essen erobert die Welt

Droht dem Klassiker Gefahr?

Doch auch Fish and Chips verspürt in letzter Zeit Gegenwind. Denn bei den Fangstationen geht vermehrt Tintenfisch ins Netz. Dessen Anteil hat sich durch die Klimaerwärmung von 20 % auf fast 60 % erhöht und das in kühleren Gegenden, wie in der Nordsee. Gleichzeitig wandern die beliebten Dorsche weiter in Richtung Norden und siedeln sich verstärkt in Norwegen an. Das lässt einige Engländer bereits um die Zukunft ihre geliebten Fish and Chips fürchten. Andererseits nimmt die Beliebtheit vor allem bei jungen und gesundheitsbewussten Menschen in England ab. Sie achten auf ihre Linie und vermeiden das fettige und kalorienreiche Essen. Das spürt auch die Branche deutlich. Der Anteil am Takeaway-Markt sank innerhalb von zehn Jahren spürbar. Ob es sich dabei nur um einen Trend oder eine langfristige Änderung handelt, wird die Zukunft beweisen.

Ludwig