Kann elektrischer Strom Fische schützen?

Kann elektrischer Strom Fische schützen?

Sie können für Fische eine große Gefahr darstellen. Die Rede ist von Turbinen der Laufwasserkraftanlagen. Damit die Wasserbewohner diese gefahrlos passieren können, treffen die Betreiber der Kraftwerke schon seit einigen Jahren besondere Vorkehrungen.

Wissenschaftler der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich arbeitet an einem neuen Verfahren, um Fische mit elektrischem Strom zu schützen. Dabei sollen elektrifizierte Fischleitrechen zum Einsatz kommen. Erste Tests waren vielversprechend, doch bis zur Umsetzung sind noch einige Fragen zu klären.

Bewegungsfreiheit für Fische

Ausschlaggebend für den Schutz der Fische in den Gewässern war eine Gesetzesänderung. Bereits im Jahr 2011 wurde die ungehinderte Bewegungsfreiheit von Fischen in der Schweiz festgeschrieben. Sie führte zu einer Revitalisierung der Gewässer. Gleichzeitig mussten sich die Laufwasserkraftwerks-Betreiber eine Lösung einfallen lassen, damit die Fische an den für sie schwer überwindbaren Hindernissen vorkommen würden. Die Lösung waren sogenannte Fischpässe und Umgehungsgewässer. Dieser versetzen die einheimischen Fischarten in die Lage diese Aufstiegshilfen zu nutzen und damit zukünftig flussaufwärts zu wandern. Für den Abstieg wurden dann sogenannte Fischleitrechen eingesetzt. Sie hinderten die Fische daran in den Turbinentrakt hineinzuschwimmen. Stattdessen wurden sie damit zu einem Bypass umgeleitet. Damit war die Gefahr gebannt.

Diese Fischleitrechen bestehen aus horizontalen Metallstäben. Diese sind in einem Abstand zwischen zehn und zwanzig Millimeter fixiert. Damit sind sie ein guter Schutz für die meisten Fische. Doch besonders kleinen Fischen gelingt es hier durchzuschwimmen. Darüber hinaus neigen sie dazu sich durch Laub zu verstopfen. Das bedeutet, dass sie regelmäßig gewartet werden müssen, denn sonst würde der Durchfluss des Wassers reduziert und die Stromproduktion zurückgehen. Somit waren weder die Betreiber, noch die Tierschützer besonders mit der bisher eingesetzten Lösung zufrieden.

Prinzip Weidezaun

Die Wissenschaftler von der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie setzten genau hier an. Sie möchten einen neuen Fischleitrechen entwickeln und setzen dabei auf eine revolutionäre Idee. Ähnlich wie bei Kühen am Weidezaun, soll elektrischer Strom die Fische daran hindern sich dem Rechen zu nähern. So könnten alle Fische wirksam von den Turbinen ferngehalten werden. Gleichzeitig könnte man dadurch auch die Abstände zwischen den Stäben vergrößern. Wenn das Prinzip funktioniert, kann es zukünftig in allen Kraftwerken eingesetzt werden.

Prinzip Weidezaun
Prinzip Weidezaun

Dazu entwickelten die Wissenschaftler einen neuen Vertikalrechen. Dessen Stäbe sind gebogen und leiten die Fische zu dem Bypass, der ihnen eine sichere Passage garantiert. Die neue Stabform garantiert weniger Verluste bei der Stromproduktion. Versuche einer Elektrifizierung haben gezeigt, dass diese zukünftig auch Aale schützen würde, die bisher durch die Stäbe geschlüpft sind. Die neue Form der Stäbe schützte rund drei Viertel der Fische, die elektrifizierten sogar 100 Prozent. Das Ganze bietet jedoch auch einen Wermutstropfen. Die Neuentwicklung schützt zwar alle Fische, doch zahlreiche von ihnen verweigerten den Bypass und schwammen stattdessen wieder flussabwärts. Die Forscher wollen sich nun in Zukunft darauf konzentrieren durch geringere Spannungen und andere Anordnungen der Elektroden noch mehr Fische zur Nutzung des Bypasses zu bringen. Gelingt es dieses Optimierungspotenzial zu heben, dann könnte daraus ein neuer Fischleitrechen entwickelt werden, der alle Anforderungen erfüllt.

Ludwig