Dorsche blockieren den Bau einer Pipeline

Dorsche blockieren den Bau einer Pipeline

Dorsche sind erstaunliche Fische, doch was sie sich jetzt geleistet haben, hört man tatsächlich nicht alle Tage. Die Laichzeit der Dorsche hat den Weiterbau der letzten 120 Kilometer der bekannten russischen Pipeline North Stream verhindert. Dieser sollte eigentlich jetzt in den dänischen Gewässern stattfinden. Wie der Radiosender NDR berichtet, kann der Weiterbau der Gasleitung allerdings vorläufig nicht stattfinden. Das Seegebiet, in dem die Bauarbeiten jetzt auf Hochtouren laufen sollten, gilt als Laichplatz der Dorsche. Daher haben die Behörden in Dänemark alle Bauarbeiten bis Ende September aus Naturschutzgründen untersagt. Erst dann kann die Verlegung der Rohre wie geplant weitergehen.

Russland muss warten

Wie es der Zufall so will, ist ausgerechnet jetzt der amerikanische Außenminister Mike Pompeo in Dänemark zu Gast. Die USA gelten als Kritiker der Pipeline. Diese umfasst in den aktuellen Baufortschritten zwei Stränge. Diese beginnen bei der russischen Küste und verlaufen durch die Ostsee bis nach Deutschland. Geplant und gebaut wird North Stream von dem russischen Gaskonzern Gazprom. Er finanziert rund die Hälfte der veranschlagten Gesamtkosten von 9,5 Milliarden Euro. Den Rest bezahlen fünf Energiekonzerne. Das sind der österreichische Ölkonzern OMV, Wintershall Dea, Royal Dutch Shell und die Unternehmen Uniper und Engie.

Wirtschaft gegen Naturschutz

Die Dorsche sind in der Fischerei von großer Bedeutung. Hier prallen die Interessen von Wirtschaft und Naturschutz aufeinander. In den letzten 20 Jahren sind die Bestände dramatisch zurückgegangen. Die verschiedensten Maßnahmen zum Schutz der Dorsche hatten teilweise alarmierende Veränderungen zur Folge. Die Anzahl großer Dorsche hat sich deutlich verringert, die Laichbestände werden von 2-jährigen und 3-jährigen Tieren dominiert. Dorsche durchlaufen, so wie alle anderen Fische auch, einem biologischen Rhythmus. Dieser bestimmt die räumlichen und zeitlichen Grenzen ihrer Fortpflanzung. Während dieser Zeit wandern die Dorsche aus teilweise weit entfernten Lebensräumen in ihre Laichgebiete. Dort bilden sie sogenannte Laichkonzentrationen. Diese wären ideal für die Befischung, weil man so mit sehr geringem Aufwand viele Fische fangen kann. Damit die Eier allerdings befruchtet werden und heranwachsen können, muss die Umgebung ideal dafür sein. Das betrifft nicht nur die Temperatur des Wassers, sondern auch den Salz und Sauerstoffgehalt. Diese Bedingungen finden die Dorsche nur in den tiefen Becken der Ostsee vor und das auch nur, wenn durch die Strömung genügend Salz und Sauerstoffreiches Wasser in diese Becken transportiert wird. Dieses Ökosystem ist also sehr sensibel, alle Bedingungen müssen genau aufeinander abgestimmt sein, damit die Dorsche laichen können. Es handelt sich also um ein räumlich stark abgegrenztes Gebiet, das keine Störungen, welcher Art auch immer, verträgt.

Wirtschaft gegen Naturschutz
Wirtschaft gegen Naturschutz

Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Regierung in Dänemark so behutsam auf die Laichgebiete achtet und den Weiterbau der Pipeline vorläufig gestoppt hat. Jede Änderung der gewohnten Umgebung hätte das Laichen der Dorsche verhindert. Ausweichmöglichkeiten bestehen für die Fische in dieser Umgebung keine. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass die Ostsee ihnen weiterhin zur Verfügung steht, sonst könnte diese neuerlich dramatische Auswirkungen auf den Bestand der Dorsche haben. Alle Bemühungen der Vergangenheit sie zu schützen, wären dahin.

Ludwig