Die Wissenschaft empfiehlt einen Fangstopp für Dorsch

Die Wissenschaft empfiehlt einen Fangstopp für Dorsch

Der internationale Rat für Meeresforschung veröffentlichte vor kurzem wissenschaftliche Empfehlungen für Fangquoten. Die Wissenschaftler sehen nach wie vor dringenden Handlungsbedarf und forderten eine Null-Quote für den Östlichen Dorsch und den Westlichen Hering. Der Grund dafür ist in den Populationen der betreffenden Fische zu suchen. Diese befinden sich in einem kritischen Zustand, daher erscheint ein Ende der Überfischung die einzige Möglichkeit zu sein, damit sich die Bestände wieder langsam erholen können.

Deutschland zählt zu den Überfischungs-Sündern

Die Deutsche Umwelthilfe und Our Fish forderten die EU-Kommission und die EU-Fischereiminister auf, diese wissenschaftlichen Empfehlungen ernst zu nehmen und umzusetzen. Die Vorgaben der gemeinsamen Fischereipolitik in der EU sollten unbedingt eingehalten werden. Auch Deutschland ist dabei alles andere als ein Musterschüler. Immerhin liegt die Bundesrepublik auf Platz ein der Liste von Überfischungs-Sündern in der Ostsee. Rund die Hälfte der kommerziell genutzten Fischbestände ist davon betroffen. Die Fangmengen für das Jahr 2021 werden im Herbst dieses Jahres entschieden. Dann treffen sich die Fischereiminister der EU-Mitgliedsländer und legen die Quoten fest. Das gibt Deutschland die Chance regulierend einzugreifen. Immerhin hat das Land in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 die Ratspräsidentschaft inne und kann dementsprechend gestalten.

Der Dorsch verliert weiter seinen Lebensraum

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, fand dazu deutliche Worte. Seiner Ansicht nach befindet sich die Ostsee bereits jetzt in einem bedenklichen ökologischen Zustand. Diesen haben die jahrzehntelange Überfischung, sowie die Verschmutzung ausgelöst. Diese beiden Problemstellungen haben darüber hinaus auch noch zum Verlust der Lebensräume der Speisefischarten Dorsch und Hering geführt. Die Auswirkungen des Klimawandels bewirken das ihrige, um die Situation weiter zu verschärfen. Er sieht jetzt die Chance gekommen, dass Deutschland mit Bundesfischereiministerin Julia Klöckner an der Spitze den geschwächten Fischpopulationen eine Chance auf Erholung geben. Das könnte durch nachhaltige Fangquoten und einer Null-Quote für jene Fischarten geschehen, die besonders bedroht sind. Zusätzlich sollte die Einhaltung der Quoten verstärkt überwacht werden. Diese Vorschläge sind nichts Neues. Bereits in den vergangenen beiden Jahren sprachen sich die Wissenschaftler für Fangstopps aus, doch die Minister ignorierten deren Warnungen. Gerade beim Dorsch ist die Situation weiterhin dramatisch. Die Nachwuchsrate ist niedrig, die Größe der Fische und ihre frühe Geschlechtsreife deuten auf die Notlage hin.

Der Dorsch verliert weiter seinen Lebensraum

Der Green Deal muss umgesetzt werden

Trotz aller Warnungen werden dieses Jahr immer noch 2.000 Tonnen Fangquote für den Östlichen Dorsch erlaubt sein. Daher befinden sich die Populationen in keinem guten Zustand. Der Nachwuchs war zu gering, um die Bestände wieder aufzufüllen. Rebecca Hubbard, Direktorin der Our Fish-Kampagne, betonte, dass mit dem Europäischen Green Deal und der EU-Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt zwar eine gute Grundlage geschaffen wurde, doch nun müssen den Worten Taten folgen. Es wäre jetzt an der Zeit die Interessen der Bürger und der Natur über jene der Industrie zu stellen. Sollte es weiterhin Fangquoten geben, so würden damit auch die Ziele des Europäischen Green Deal untergraben werden. Es wäre daher höchst an der Zeit zu handeln.

Ludwig