Der Sturddlefisch ist halb Löffelstör, halb russischer Stör

Der Sturddlefisch ist halb Löffelstör, halb russischer Stör

Das Artensterben führt manchmal zu seltsamen Vorkommnissen. Forscher gehen neue Wege, um Arten zu retten. So auch bei den Fischen. Das hat aber in diesem Fall zu einem unerwarteten Ergebnis geführt. Die Wissenschaftler wollten dem Stör helfen und eine neue Art des bekannten Fisches züchten, doch stattdessen erschufen sie einen neuen Fisch. Dieser ist halb Löffelstör, halb russischer Stör und hört nun auf den Namen Sturddlefisch. Er wurde vor kurzem im Fachblattes „Genes“ vorgestellt.

Dieses Klon-Experiment ging schief

Forschung ist eben oft ein unbekanntes Feld, was dabei am Ende rauskommt, ist nicht immer sicher. So erging es auch Wissenschaftlern aus Ungarn. Sie staunten nicht schlecht, als sie plötzlich eine neue Fischart gezüchtet hatten. Sie untersuchten eigentlich eine Form des Sexualparasitismus. Bei der Form der ungeschlechtlichen Fortpflanzung führt das Eindringen des Spermiums in die Eizelle dazu, dass sich diese teilt. Es kommt zu keiner Befruchtung, sondern zu einem natürlichen Klon. Der Embryo ist genetisch mit seiner Mutter identisch. Dieses Phänomen war bekannt, also versuchten die Forscher diesen zu nutzen. Sie stellten es mit Löffelstören und russischen Stören nach. Ziel war es dabei das Aussterben des russischen Störs zukünftig zu verhindern. Immerhin ist gerade diese Art seit langem bedroht. Doch die Experimente mit dem Klonen im Mutterleib gingen schief. Stattdessen entstand eine neue Mischform der beiden Fische. Die neue Art erhielt ihren Namen aus einer Kombination der englischen Wörter für Stör, als „Sturgeon“ und Löffelstör, also „Paddlefisch“. Der Sturddlefisch war geboren.

Ein Amerikaner und ein Russe

Das Ungewöhnliche daran ist auch die nicht vorhandene Möglichkeit einer solchen Kreuzung in der Natur. Da würden sich die beiden Fische nicht fortpflanzen. Das wäre schon aus geografischen Bedingungen nicht möglich. Schließlich lebt der Löffelstör nur in den USA, der russische Stör nur in Russland. Obwohl sie so weit voneinander ihre Bahnen ziehen, sind sie sich doch gleichzeitig ziemlich ähnlich. Beide Fische sind mittlerweile vom Aussterben bedroht. Sie haben sich beide seit Millionen von Jahren nicht weiterentwickelt und ähneln sich durch ihre schuppenlose Haus und ihr Außenskelett auch äußerlich.

Ein Amerikaner und ein Russe

Den Fischen geht es prächtig

Die Forscher des ungarischen Instituts für Fischerei und Aquakulturen waren jedenfalls vom Ergebnis ihrer Bemühungen überrascht. Sie wollten laut eigenen Angaben keinesfalls eine neue Art erschaffen, im Gegenteil. Sie waren davon überzeugt, dass der Embryo gar nicht ausgebildet werden würde, doch die Natur hatte offenbar andere Pläne. Der neue Fisch kann jedenfalls nicht für die Produktion von Kaviar verwendet werden, denn der Sturddlefisch ist unfruchtbar. So gesehen ist das ursprünglich geplante Experiment fehlgeschlagen, denn es schlug eine Richtung ein, die so nie vorgesehen war. Die neuen Fische hingegen entwickeln sich hervorragend. Sie essen regelmäßig und wachsen heran. Wie es nun mit ihnen weitergeht, steht noch nicht fest. Hybride sind in der Tierwelt grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Eines der bekanntesten Beispiele in der Natur ist der Liger. Das ist eine Kreuzung aus Löwen und Tigern. Doch diese Kreuzungen entstehen auf natürlichen Weg, das war beim Sturddlefisch nicht der Fall.

Ludwig